Ach, ich bin Schuld – Na dann ist ja gut

Eigentlich wollte ich euch heute von meinem ersten Urlaubstag berichten, denn wir waren Deko bei Ikea kaufen, lecker Sushi essen und hatten an sich einen schönen Tag. Wenn, ja wenn wir nicht gleich um acht Uhr den Termin bei der Ärztin für Endokrinologie gehabt hätten.

Pünktlich um acht Uhr waren wir da, das Bärchen nüchtern, wie verlangt. Ihr könnt euch ja vorstellen, wie schwierig sich das gestaltet hat. Um halb neun wurde das Bärchen dann gemessen und gewogen. Nachdem wirklich jeder, der nach uns gekommen ist, bei der Ärztin war, durften wir gegen neun dann auch mal rein. So weit so gut. Nach kurzer Abfrage von einigen Daten durfte ich dann mehrmals auf Nachfrage betonen, dass ich die einzige Übergewichtige in meiner Familie bin. Ja, meine Eltern und Großeltern sind schlank, die Geschwister nicht, ich hab nämlich keine. Dann wurde der Essensplan des Bärchens durchgegangen und viel zu meckern gab es zum Glück nicht. Nur die Kita war ein ständiger Streitpunkt zwischen mir und der Ärztin. Ich sagte, dass die das gut machen, darüber informiert sind und darauf achten, sie sah das anders. Warum auch immer. Dann wurde dem Bärchen Blut abgenommen. Es war furchtbar. Sie schrie wie am Spieß, mir lief der Schweiß und die Tränen und die Ärztin ließ sich Zeit und beschwerte sich dann auch noch, dass das Blut so langsam floß, weil das Bärchen nüchtern war. Ja, sollte sie doch sein! Grrrrrrr…..

Danach dachte ich, dass wir dann mal los können und uns dann wieder sehen, wenn wir das Ganze auswerten. Das Bärchen war fertig und wollte auch nur noch raus. Aber nein, die Ärztin wollte noch etwas besprechen. Hätte man ja auch vorher machen können. Gut, das Bärchen lief mit dem Bärchenpapa im Zimmer rum und ich setzte mich hin und lauschte dem Monolog der Ärztin. Und wurde sauer. Und wurde wütend. Warum? Tja….

Ohne das Bärchen zu kennen, setzte sie voraus, dass sie viel sitzt. Klar, die Lütte lief da rum wie aufgezogen, aber klar, zuhause sitzt sie nur mit uns auf der Couch und futtert. Natürlich. Das Bärchen sitzt so gut wie nie. Sie krabbelt, läuft an der Hand oder an Möbeln entlang und ist nur auf dem Töpfchen zum etwas längerem Sitzen zu bewegen. Okay. Und die Kita, die passt nach Aussage der Ärztin auch nicht genug auf. Ich fragte nach, wie es denn zu machen wäre, das Bärchen immer etwas anderes essen zu lassen, Bananen und Weintrauben darf sie ja anscheinend überhaupt nicht mehr. Obst sowieso nur wenig. Klasse, wenn mein Kind dann ne Gurke in der Hand hat und alle anderen Kinder zur Obstpause süßes Obst essen, Gurke oder Apfel. ZEigen wir dem Kind doch gleich mal, wie es so ist, ein Außenseiter zu sein. Wird super. Und dann gings los. Wieder kam die Ärztin auf mich zu sprechen und machte mir deutlich, dass das Bärchen nur kein Sättigungsgefühl hat, weil sie in meinem Bauch ja überversorgt wurde, weil ich ja so dick bin.  Sie sagte das natürlich in reinstem Fachhochdeutsch. Ich sah aus dem Fenster, riss mich irgendwie zusammen und wollte es nur über mich ergehen lassen, da fragte sie mich ernsthaft, ob ich das nicht verstanden hätte und fing nochmal von vorne an: Mutter fett, Mutter schwanger, Kind kein Sättigungsgefühl. Ich pumpte und drehte mich zum Bärchen. Die Ärztin fragte, ob sie sich verständlich ausgedrückt hätte. Ich nickte und unterdrückte das Gefühl, sie darauf hinzuweisen, dass mein IQ deutlich über den Durchschnitt liegt. Und sie hörte einfach nicht auf. Zwischendrin erwähnte sie nochmal, dass das Gewicht des Bärchens immer überdurchschnittlich war und relativ auf gleicher Höhe geblieben ist und, dass der BMI nicht hoch genug ist, um auf bestimmte Krankheiten zu testen und, dass wir einiges schon ganz gut gemacht haben. Dann kam sie auf ihr Lieblingsthema und konnte mir, ganz ohne die Blutwerte zu haben sagen, dass ich Schuld daran bin, dass das Bärchen nie so richtig satt sein wird. Als sie dann ernsthaft anfing mir, einer Sozialpädagogin, die Ernährungstabelle zu erklären und erwähnte, dass vier Löffel (von sechs empfohlenen) Müsli zum Frühstück für das Bärchen zu viel sind, konnte ich nicht mehr. Sie war so arrogant und selbstgerecht, dass ich aufgestanden bin und erklärte, dass wir jetzt gehen. Das Bärchen und der Bärchenpapa waren erstaunt, die Ärztin und ihre Helferin, von der ich bis jetzt nicht weiß, ob sie die Praktikantin oder was auch immer war, guckten ernsthaft erschrocken. Die Ärztin stammelte irgendwas von weiter und erklären und und und. Ich nahm mir den Zettel, sagte ihr, dass sie sich dann nach ihrem Urlaub wegen der Blutwerte melden soll,  Sie hätte gerne alle drei Monate Termine zur Überprüfung gemacht, ich lächelte und sagte eher nicht. Mit dem Bärchen auf dem Arm rannte ich zum Auto und wir fuhren los. Nach einer Minute fing ich furchtbar an zu weinen. Und weinte bis zu Ikea. Ich fuhr.

Seit etwa vier Jahren habe ich nicht mehr wegen meines Gewichtes geweint. Ich bin nicht nur etwas zu viel, ein bisschen dick, nein, ich bin fett. Schwere Adipositas. Ich weiß das. Ich weiß auch, dass ich selbst daran Schuld bin.

ABER ICH BIN NICHT DARAN SCHULD, DASS MEINE TOCHTER KEIN SÄTTIGUNGSGEFÜHL HAT:

PUNKT.

Keine Ahnung, warum ich so extrem auf diese Ärztin reagiert habe, normalerweise nicke ich nur und denke mir meinen Teil. Ich bin es ja gewohnt. Aber diese Frau hat mich fertig gemacht. UNd ich gehe nie wieder mit der Lütten zu dieser Frau. Dann fahr ich halt 100 Kilometer oder mehr zu einer anderen Endokrinologie. MIr egal. Es wird schon.

Übrigens fange ich demnächst mit einer Ernährungsberatung an, gehe zwei bis drei Mal ins Fitnesscenter (heute Vertrag unterschrieben) und fange bald eine REHA an. Alles arrangiert und getan, bevor ich diese Ärztin traf.

Ich möchte nicht, die Mutter sein, über die später Witze gerissen werden, meine Tochter soll nicht wegen mir gehänselt werden. Und ich werde es schaffen, denn ich kann mit festen Willen abnehmen, aber diese Ärztin wird niemals empathisch sein.

Sorry, vielleicht bin ich auch gerade etwas unfair mit dieser Ärztin, aber es war schlimm heute und ich musste mir das alles von der Seele schreiben, damit es aufhört, mich wütend zu machen. Und ja, es gibt eine kleine Chance, dass mein Übergewicht einen Einfluss auf das Bärchen hatte, aber sie kennt mich und die Lütte nicht und setzt es einfach voraus. Und das macht mich so wütend.

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11 Gedanken zu “Ach, ich bin Schuld – Na dann ist ja gut

  1. Ich würde mir mal einen anderen Arzt suchen und mir seine Sichtweise anhören – ohne zu sagen, was die andere Ärztin da abgelassen hatte. Man soll sich nie auf EINE Arztmeinung verlassen.

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  2. Oh mann, das klingt nach nem miesen Erlebnis. Du Arme. Lass dich mal drücken. Ich kenne solchen Menschen, Typ: Ich brauch dich nur ansehen, bilde mir meine Meinung und stelle aufgrund dieser meine Diagnose. leider auch. Auch ich bin schon vor Ärzten geflohen deswegen. Du hast das genau richtig gemacht. So ne blöde, überhebliche, selbstgefällige, selbstüberschätzende Kuh!!!

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  3. Hey Bärchenmama
    Das tut mir so leid was ihr da heute erleben musstest ich kenne euch ja gut ….
    Ich stimme dir in allen zu, Ärzte sind so schlimm u nehmen nur das offensichtliche Wahr, nichts anderes dann müssten sie ja ihr Gehirn einschalten was sie nach dem Studium aus gemacht haben .
    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei allem und gebe dir nicht die schuld, du bist eine tolle Mama bitte vergess das nicht.
    deine Ja Du

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    • Danke schön! Ja, das mit den Ärzten stimmt, mit meiner Mutter hab ich da schon so einiges erlebt. Und wenn ich an meine ehemalige Frauenärztin denke, die mir prophezeit hat, dass ich mit meinem Gewicht niemals schwanger werde und nicht mal ein Jahr später war das Bärchen da.
      Ich vergess es nicht, aber der positive Zuspruch von dir und allen anderen tut echt gut!
      LG Bärchenmama

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  4. Ach herr je – was ein Arzt. Wie ich es hasse. Ich selber habe ja auch ein „kleines“ Gewichtsproblem und egal mit welchem Anliegen ich zu einem Spezialarzt gehe bekomme ich erst einmal gesagt „Ja ja nehmen sie mal ab“. Man wird gar nicht richtig durchgecheckt man wird einfach in eine Schublade gesteckt. Meiner Meinung nach ist genau das hier wieder passiert. Dicke Mutter – tja kein Wunder dass das Kind ein Problem mit dem Essen hat. Also auch wenn ich dir kein Beispiel liefern muss, dass du nicht dran schuld bist. Ich bin mir ganz sicher dass du es nicht bist. Wie gesagt ich bin selber übergewichtig (und wir sprechen von Adipositas) und ich habe in der Schwangerschaft um die 20 kg zugenommen und mein Sohn hat keine Probleme. Er isst gern und auch viel aber er ist nicht übergewichtig oder krank.

    Übrigens bereits in der Schwangerschaft hatte ich ein „ähnliches“ erlebnis. Bei einem Sonderultraschall in einer Klinik wurde ich ständig damit belegt, dass ich 100% Schwangerschaftsdiabetes habe und das mein Kind ja viel zu dick am Bauch sei. Tja ich hatte weder Diabetes noch war mein Kind zu schwer als es auf die Welt kam. Mit 3250g und 52cm wurde ich sogar gefragt ob er zu früh kam… Was soll man dazu noch sagen..

    Kopf hoch – neuer Arzt – neue Hoffnung. Drücke euch/dir die Daumen das es dieses mal eine bessere Erfahrung wird!

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    • Erstmal danke dir! Musste gerade etwas lächeln, ich musste diesen Diabetestest in der Schwangerschaft dreimal machen, da alle der festen Überzeugung waren, ich hätte es. Pustekuchen. Aber das Bärchen wog dann bei der Geburt 4585 Gramm, doch etwas schwerer und so ist es einfach bis heute geblieben. Ich drück dir auch die Daumen, dass du in Zukunft von so doofen Sachen auch verschont bleibst! Lieben Gruß

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